Montag, 22. August 2016

Meditation, Achtsamkeit und gesundheitliche Wirkung – wissenschaftliche Entdeckungen:


Meditation als „Jungbrunnen“




Meditation, Achtsamkeit und gesundheitliche Wirkung –  wissenschaftliche Entdeckungen:

Meditation und Achtsamkeit sind nicht einfach „nur“ gesund im Sinne von Entspannung, sondern haben tatsächlich weitgehende Auswirkungen auf die eigene gesundheitliche Verfassung. Natürlich können Alterungsprozesse  ebenso wenig komplett verhindert werden, wie Krankheit und Tod, aber der positive Einfluss von Meditation ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen.
Jon Kabat-Zinn beschreibt in seinem Buch „Gesund durch Meditation“ insbesondere drei Entdeckungen der Grundlagenforschung, die ermutigend sind und deutlich machen, welche wichtige Funktion Meditation und Achtsamkeit für unseren Alltag haben:
„Die erste Entdeckung ist das Phänomen der Neuroplastizität. Es ist inzwischen erwiesen, dass das Gehirn ein lebenslang lernfähiges Organ ist, das bis ins hohe Alter hinein und in Anpassung an äußere Einflüsse ständig weiter ausreift, sich wandelt und neu strukturiert. Es ist auch bekannt, dass gezielte Übung, gleich welcher Art, und wiederholte Konfrontation mit komplexen Aufgabenstellungen diese grundlegende Fähigkeit des Gehirns zusätzlich stimuliert. Das neu entstandene Forschungsgebiet der kontemplativen Neurowissenschaft untersucht die Gehirnfunktionen im Zusammenhang mit den Grundfragen nach dem Bewusstsein und dem Geist-Körper-Zusammenhang. Diesem Ziel dienen Studien sowohl mit Personen mit langjähriger Meditationserfahrung als auch mit Probanden, die erst seit relativ kurzer Zeit regelmäßig meditieren. Die Entdeckung der Neuroplastizität machte Schluss mit einem Hauptdogma der Neurobiologie, welches besagt, dass etwa ab dem dritten Lebensjahr die Zahl der Nervenzellen im Gehirn und im zentralen Nervensystem kontinuierlich und in wachsendem Tempo abnimmt. Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass sich zumindest in einigen Gehirnregionen bis ins hohe Alter neue Nervenzellen bilden können.
Die zweite große Entdeckung fällt in das Forschungsgebiet der Epigenetik. Wie sich herausstellte, weist auch das Genom »Plastizität«, also eine Art Formbarkeit auf, von der man sich noch vor kurzem keinerlei Vorstellung machte. Die Epigenetik erforscht im Einzelnen, auf welche Weise unsere Erfahrungen, Verhaltensweisen, die Art unserer Lebensführung und sogar unsere inneren Einstellungen Einfluss darauf haben können, welche Gene unserer Chromosomen »eingeschaltet« oder »ausgeschaltet« werden. Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen, die besagen, dass unser genetisches Erbe keineswegs so schicksalhaft ist, wie es die klassische Auffassung vertrat. Demnach sind wir in der Lage, unser Erbgut zumindest mittelbar zu beeinflussen, indem wir es in seinen einzelnen Ausprägungen aktivieren oder deaktivieren, und haben es auf diese Weise theoretisch selbst in der Hand, ob und wann bestimmte Krankheiten zum Ausbruch kommen.
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Die dritte revolutionäre Entdeckung betrifft die Funktion der Telomere und des Enzyms Telomerase, das die Telomere wiederherstellt. Telomere sind Strukturelemente an den Enden der Chromosomen und notwendig für die Zellteilung. Bei jeder Zellteilung verkürzen sie sich ein wenig, bis sie ihre Funktion ganz verlieren. Die Abnutzung der Telomere steht also in direkter Beziehung zur Zellalterung und damit zu unserer Lebenserwartung. Für ihre Arbeiten auf diesem Gebiet erhielt Elizabeth Blackburn 2009 den Nobelpreis für Medizin/Physiologie. Seit der Entdeckung, dass Stress den Verkürzungsprozess beschleunigt, wandte sie sich der Frage zu, inwiefern Achtsamkeit und andere meditative Techniken der Abnutzung entgegenwirken können. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend und besagen, dass für den Abnutzungsgrad der Telomere offenbar nicht nur das Ausmaß an Stress, unter dem wir stehen, eine Rolle spielt, sondern auch die Art und Weise, wie wir mit ihm umgehen.“
Jon Kabat-Zinn, Gesund durch Meditation, O.W.Barth-Verlag, E-Book, Kapitel 14. Medizin und Gesellschaft auf dem Weg zu einem neuen Gesundheitsmodell

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