Freitag, 2. September 2016

Philosophie von Giordano Bruno

Philosophie von Giordano Bruno




Pantheismus 


Für Bruno stammte alles aus der Natur von der göttlichen Einheit von Materie und Dunkelheit ab. Zum einen trennte er Gott von der Welt und zum anderen tendierte er zu einem dazu entgegengesetzten Pantheismus. 

Bruno verband die These, dass Gott allem innewohne, mit dem Glauben, dass die Realität der Vorstellung entspringe. 

Damit nahm er die Gedanken von Gottfried Wilhelm Leibniz und Baruch de Spinoza vorweg. Er stellte sich gegen das geozentrische Weltbild, nahm stattdessen an, dass die Welt und die Menschen ein einmaliger „Unfall“ einer einzelnen lebenden „Welt-Substanz“ seien,[5] und bekannte sich zur kopernikanischen Theorie. 


Weiterhin postulierte er die Monade, die als eine unteilbare Einheit ein Element des Weltaufbaus darstellt. Der Begriff Monade wurde von Gottfried Wilhelm Leibniz übernommen. 

Bruno ist einer der wichtigsten Vertreter einer panpsychistischen Weltanschauung, derzufolge überall im Kosmos geistige Eigenschaften vorhanden sind. Von den christlichen Kirchen wurde Atheismus und Pantheismus lange Zeit gleichgesetzt. 

Die Vorstellungen Giordano Brunos stehen im Gegensatz zum materialistischen Weltbild. Sie stehen in der Tradition des neuplatonischen Idealismus sowie der Mystik, die er vor allem durch die Werke von Avicenna, Averroes, Nikolaus von Kues rezipiert hat.[6] 

Zwar hat Bruno viele Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften vorweggenommen. Dies verdankt sich jedoch eher einem „naturphilosophischen Ganzheitsdenken“ als einem physikalisch-analytischem Zugang, wie er etwa für seinen Zeitgenossen Galileo Galilei kennzeichnend war.[7] 

Dies wird besonders klar in Brunos Erkenntnistheorie, verdeutlicht etwa in seiner Interpretation des Aktaion-Mythos in den Heroischen Leidenschaften. [8] Mit dem nach Wahrheit Suchenden verhält es sich laut Bruno wie mit dem griechischen Jäger Aktaion. Dieser hatte auf der Jagd die nackte Göttin Diana beim Bad überrascht und wird in einen Hirsch verwandelt, der von seinen eigenen Hunden gejagt und zerrissen wird. 

Bruno schreibt, es sei „das letzte Ziel und das Ende dieser Jagd [nach der Wahrheit] […] , in den Besitz jener flüchtigen und scheuen Beute zu gelangen, durch die der Beutemacher zur Beute, der Jäger zum Gejagten wird.“ [9] 

Das Göttliche wird im Pantheismus Brunos nicht etwa in die Natur hineingelegt, die dann ein vom Erkenntnissubjekt unabhängiger, objektiver Forschungsgegenstand wäre. 

Vielmehr wird auch das Erkenntnissubjekt als Teil des Kosmos begriffen. Es löst sich in seiner Individualität auf,

sobald es die Erfahrung der pantheistischen Einheit macht, die bei Bruno mystischen, übersinnlichen Charakter hat. So heißt es in Brunos Interpretation des Aktaion-Mythos: „So verschlingen die Hunde, die Gedanken an göttliche Dinge, diesen Aktaion, so dass er nun für das Volk, die Menge tot ist, gelöst aus den Verstrickungen der verwirrten Sinne, frei vom fleischlichen Gefängnis der Materie. 

Deshalb braucht er seine Diana nun nicht mehr gleichsam durch Ritzen und Fenster zu betrachten, sondern ist nach dem Niederreißen der Mauern ganz Auge mit dem gesamten Horizont im Blick.“ [9] 


Unendlichkeit des Weltalls 



Den Prinzipien seiner Naturphilosophie folgend, glaubte Bruno nicht nur, dass das Weltall unendlich ist, sondern dass es auch unendlich viele Lebewesen auf anderen Planeten im Universum gibt. Diese Schlussfolgerungen zog er aus dem Gedanken, dass einer allmächtigen und unendlichen Gottheit auch nur ein unendliches Universum entsprechen kann, denn alles andere wäre einer unendlichen Gottheit nicht würdig. 


Giordano Bruno kann in seiner Philosophie aber nicht einfach „hinter“ Kopernikus oder Galilei eingereiht werden. Er teilte deren in erster Linie auf der Beobachtung der Natur basierenden Überlegungen nicht. Er zweifelte an der Kompetenz der Mathematik und setzte an deren Stelle seine spezifische naturphilosophische Betrachtungsweise. 

In seiner Gesamtheit kann Brunos Denken in die Philosophia perennis eingeordnet werden, der er einen neuen naturphilosophischen Zugang sowie revolutionären und kämpferischen Aspekt hinzufügte. 

Zerbrechung der Auffassung von der Zweigeteiltheit der Welt Zwar übernahm Bruno von Aristoteles die Vorstellung, die riesigen Räume zwischen den unendlich vielen Sonnensystemen seien mit Äther erfüllt, weil leerer Raum nicht existieren konnte, 

doch entwickelte er darüber hinaus die eigene Vorstellung, dass das ganze Weltall von demselben göttlichen Puls durchwirkt sei. 

Dadurch zerbrach er die bis dahin gängige Auffassung des Aristoteles von der Zweigeteiltheit der Welt in den translunaren und den sublunaren Bereich. 

Der Bereich über der Mondsphäre galt als der heilige Bereich, von dem allein ein verlässliches Zeitmaß abgenommen werden konnte. 

Dies galt aber nicht für den Bereich unterhalb der Mondsphäre, den sublunaren Bereich, in dem sich die Erde befand, so dass es vor Giordano Bruno nicht denkbar war, ein irdisches Zeitmaß anzugeben. 

Durch die Aufhebung dieser Grenze zwischen sublunarem und translunarem Bereich durch Giordano Bruno wurde die Erde in den göttlichen Bereich einbezogen, so dass auch auf der Erde gültige Zeitmaßstäbe denkbar wurden. 


Wechselwirkung mit anderen Philosophen Einflüsse auf Giordano Bruno 



Sein Denken wurde von Platon, Epikur, Lukrez, Thomas von Aquin, Johannes Scotus Eriugena, Nikolaus von Kues, Ramon Llull beeinflusst. 

Er war ein starker Kritiker von Aristoteles Lehren. Weitere Einflüsse sind, laut einigen Philosophen und Philosophinnen (wie z. B. Francis Yates): Marsilio Ficino und die Hermetische Literatur. Einflüsse von Giordano Bruno Bruno beeinflusste u. a. Pierre Gassendi, Baruch de Spinoza, Lucilio Vanini, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Galileo Galilei, Johann Wolfgang v. Goethe und Friedrich Nietzsche. Gottfried Wilhelm Leibniz übernahm von ihm den Begriff der Monade.


Anmerkungen

[1] vgl. beispielsweise E. Samsonow, Giordano Bruno, Diederichs, München 1995. S. 51
[2] In Nova Acta Paracelsica, Neue Folge 8, Peter Lang Bern 1994, S. 57–87, sind neue Fakten zu Brunos Zürcher Aufenthalt mitgeteilt, welche
die Rückkehr Brunos nach Italien, d.h. von Zürich nach Venedig und Padua, in ein völlig neues Licht rücken.
[3] J.R. Grigulevic: Ketzer, Hexen, Inquisitoren, Ahriman Verlag, Freiburg, 1995, S. 416
[4] J.R. Grigulevic, Ketzer, Hexen, Inquisitoren, Ahriman Verlag, Freiburg, 1995, S. 417
[5] Siehe z.B. Giordano Bruno: „Wenn also Geist, Seele und Leben sich in allen Dingen vorfindet&nbnsp;…“ in Wikiquote
[6] J. Kirchhoff, Giordano Bruno, Rowohlt: Reinbek bei Hamburg, 4. Aufl. 1993, S. 27.
[7] J. Kirchhoff, Giordano Bruno, Rowohlt: Reinbek bei Hamburg, 4. Aufl. 1993, S. 7 ff, 16.
[8] W. Beierwaltes, Actaeon – Zu einem mythologischen Symbol Giordano Brunos, in: ZfphF 32, 1978, S. 345 ff.
[9] Giordano Bruno, Von den heroischen Leidenschaften, Felix Meiner Verlag Hamburg, 1989, S. 168.
[10] http:/ / www. odysseetheater. com/ ftp/ bibliothek/ Philosophie/ Giordano_Bruno/ Giordano_Bruno_Von_der_Ursache. pdf
[11] Giordano-Bruno-Gesellschaft e.V. (http:/ / www. giordano-bruno. com)
[12] http:/ / www. positiveatheism. org/ hist/ bruno00. htm
[13] https:/ / portal. d-nb. de/ opac. htm?query=Woe%3D118516221& method=simpleSearch
[14] http:/ / www. zeno. org/ Philosophie/ M/ Bruno,+ Giordano/ Von+ der+ Ursache,+ dem+ Princip+ und+ dem+ Einen
[15] http:/ / www. bibliotecaitaliana. it/ xtf/ search?text-join=& text=& text-exclude=& text-prox=& title=& creator=bruno& sectionType=
[16] http:/ / giordanobruno. signum. sns. it/
[17] http:/ / giordanobruno. signum. sns. it/ bibliotecaideale/ index. php
[18] http:/ / giordanobruno. signum. sns. it/ index. php?id=702
[19] http:/ / www. giordanobruno. info/
[20] http:/ / galileo. rice. edu/ chr/ bruno. html
[21] http:/ / www. ursulahomann. de/ GiordanoBruno/
[22] http:/ / www. giordanobruno. de. vu
[23] http:/ / www. wsws. org/ de/ 2000/ mar2000/ brun-m11. shtml
[24] http:/ / podster. de/ episode/ 491495/ download/ 2008_01_03_15_51_26_radiowissen_bruno_040108_01_a. mp3

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